Groß-Gerauer Kamingespräch: Unternehmensnachfolge zwischen Strategie und Rahmenbedingungen
Am 21. April 2026 fand im Hotel Adler in Groß-Gerau ein Kamingespräch zum Thema „Unternehmensnachfolge zwischen Strategie und Rahmenbedingungen“, ausgerichtet von der örtlichen Sektion des Wirtschaftsrats, statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Unternehmensnachfolge als zentrale Herausforderung für Mittelstand und Regionalwirtschaft. Vertreter aus Politik und Praxis diskutierten gemeinsam mit den Teilnehmenden über Lösungsansätze und notwendige Rahmenbedingungen.
Fabian Schmidt, Partner bei Nachfolgekontor, nahm ebenfalls am Gespräch teil und gewährte praxisnahe Einblicke in die Prozesse und Herausforderungen von Unternehmensnachfolgen. Dr. Stefan Söhngen betonte einleitend die gesellschaftliche und wirtschaftliche Tragweite des Themas: Angesichts vieler Unternehmen ohne geregelte Nachfolge drohen in den kommenden Jahren erhebliche Verluste an Wertschöpfung und Arbeitsplätzen.
Fabian Schmidt schilderte aus der Praxis, dass Nachfolgeprozesse langfristige Vorhaben sind, die mehrere Jahre Vorbereitung erfordern. Frühzeitige Planung und übertragbare Strukturen seien entscheidend – viele Unternehmen aber zu stark inhaberabhängig, um reibungslos übergeben werden zu können.
Christoph Mikuschek, Sprecher für Entbürokratisierung der hessischen CDU-Landtagsfraktion, beleuchtete die politische Dimension: Bürokratie, steuerliche Belastungen und fehlende Anreize erschwerten Nachfolgen. Politik könne verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, Netzwerke fördern und den Zugang zu Beratung verbessern. Er betonte aber auch, dass die konkrete Umsetzung in den Händen der Unternehmen liege.
Diskutiert wurde auch, wie mehr junge Menschen für Unternehmensübernahmen gewonnen werden können. Bildung spiele dabei eine Schlüsselrolle: Unternehmertum müsse früh im Bildungssystem verankert werden. Zudem wurde das bislang ungenutzte Potenzial von Frauen in der Nachfolge hervorgehoben.
Auch aus dem Publikum kamen weitere Impulse: Externe Nachfolger haben oft Schwierigkeiten, geeignete Unternehmen zu finden; Finanzierungsfragen und mangelnde Markttransparenz bleiben Hindernisse. Auch emotionale Faktoren, wie beispielsweise unrealistische Preisvorstellungen oder familiäre Bindungen, erschweren erfolgreiche Übergaben häufig zusätzlich.
Fazit des Abends: Funktionierende Nachfolgen erfordern frühzeitige Planung, klare Strukturen, realistische Erwartungen und bessere Rahmenbedingungen. Der Dialog zwischen Wirtschaft, Politik und Praxis bleibt ein wichtiger Baustein für künftige Lösungen. Die Veranstaltung endete mit einer offenen Diskussionsrunde und anschließendem Netzwerkaustausch.








