Trotz Corona: Darum erleben Firmen-Übernahmen gerade einen Boom

Der M&A (Mergers and Acquisitions) Markt verzeichnet derzeit trotz Corona einen neuen Aufschwung. 54 Prozent der Befragten einer Studie von Firmex gaben an, dass sich das Volumen der Deals im Vergleich zum Vorjahr erhöht hat. Firmex ist ein kanadisches Unternehmen, dass Datenaustausch für M&A Firmen anbietet und jährlich einen Bericht über den M&A Markt veröffentlicht. Auch große Übernahmen haben letztes Jahr trotz Corona stattgefunden. Prominentes Beispiel ist hier die Übernahme von Thyssen-Krupps Aufzugsparte. Investoren um Advent und Cinven bezahlten ganze 17,2 Milliarden Euro für die Übernahme. Für keinen anderen Deal wurde vergangenes Jahr so viel gezahlt.

Für viele Unternehmer könnte der richtige Moment zum Verkauf des eigenen Unternehmens genau jetzt gekommen sein. Das scheint überraschend mit Blick auf die Corona-Pandemie, doch durch eben die konnten einige Branchen deutliche Profite und Umsatzsteigerungen verzeichnen. So sind sie in der Lage, ihr Unternehmen zu einem lukrativen Preis zu verkaufen.

Patrick Seip (35) und Julian Will (33) sind die Geschäftsführer der M&A-Beratung Sonntag Corporate Finance, die sich darauf konzentriert hat, Käufer und Verkäufer für kleine und mittelständische Unternehmen zusammenzubringen. Und gerade die kleinen und mittelgroßen Betriebe leiden der Studie von Firmex nach weniger stark unter den Einflüssen der Pandemie.

IT-Branche und Bauhandwerk sind Gewinner der Krise

„Es gibt eben auch Unternehmen, die in der Krise von einer Sonderkonjunktur profitieren. So werden bereits bestehende Trends, wie beispielsweise bei der Digitalisierung und IT-Entwicklung, durch Corona weiter beschleunigt. Das Bauhandwerk freut sich ebenfalls über unverhofft freie Mittel: So wird das budgetierte Urlaubsgeld etwa für den Um- oder Ausbau des eigenen Hauses oder der eigenen Wohnung ausgegeben“, sagt Will im Gespräch mit Business Insider. „Bei Unternehmen dieser Branchen reden wir nicht mehr über Kaufpreisreduktion, sondern sogar über Zuschläge beim Firmenverkauf. Weil sich diese Unternehmen als krisenbeständig erweisen“, so Will weiter.

Die Verlierer der Corona-Pandemie, wie Gastronomie, Hotellerie und Dienstleister, leiden unter den wiederkehrenden Lockdowns und Einschränkungen der Bundesregierung. Für die meisten Unternehmen dieser Branchen lohnt sich ein Verkauf derweil nicht. „Es gibt Corona-bedingte Problembranchen. Die sind zwar nicht nachhaltig geschädigt, aber haben einfach aktuell Liquiditätsprobleme. Dort kommt es teilweise durch die Notsituation zu Unterbewertungen“, meint Seip.

17,2 Milliarden für Übernahme

Generell fällt es gerade Unternehmern aus dem kleinen und mittelgroßen Betrieben schwer „ihre Babys“ zu verkaufen, meint Will. Oft kämen die Mandanten zu ihnen mit viel zu hohen Erwartungen über den finanziellen Wert des eigenen Betriebs. „Oftmals machen die emotional und subjektiv hergeleiteten Verkaufsvorstellungen einen Unternehmensverkauf unmöglich. Kommen Käufer und Verkäufer jedoch wirtschaftlich und strukturell überein, sehen wir bei über 70% der Unternehmen einen erfolgreichen Abschluss“, so Will.

„Viele nationale und internationale Großunternehmen erkennen derzeit, dass sie unumkehrbare Trends verschlafen haben. Für Eigenentwicklungen sind sie zu spät dran. Durch Übernahmen holen sie sich das im Mittelstand vorhandene Know-how und die einzigartigen Technologien an Bord“, erklärt Seip. Auf dem Markt werden derzeit deutlich weniger Unternehmen angeboten, als Investoren suchen. Die Nachfrage überwiegt laut Seip derzeit das Angebot stark und führt zu höheren Preisen, zu denen veräußert werden kann.

„Aktuell sind die Unternehmer noch stark verunsichert. Wir erwarten jedoch, dass bald eine regelrechte Welle an Unternehmern an den Markt kommt, die verkaufen wollen. Hierdurch dreht sich der Verkäufermarkt schnell zum Käufermarkt, was zu signifikanten Nachteilen für die Verkäufer führen kann“, sagt Will.

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